Freitag, 30. Mai 2014

St. Pauli zu Gast bei Freunden - FC Normannia Gmünd gegen SV Bonlanden

Zwei Bekloppte, ein Gedanke: "Forza Normannia!"
"Es begab sich zu einer Zeit, da Normannia Gmünd noch dringend Punkte gegen den Abstieg benötigte, als ein Weiser aus dem Nordenland gen Süden aufbrach, um unterstützend für Furore zu sorgen".

Jeder kennt das Evangelium St. Pauli aus der Fußballbibel, das vom Evangelisten Marco und Normannia berichtet. Anno 2014 soll es gewesen sein, in einem sonnigen Samstag im Mai.

Die Ausgangslage für den FCN war dabei alles andere als rosig. Viel zu sehr zitterte man am Rande des Abstiegssumpfes herum, und nun kam ausgerechnet der SV Bonlanden zu Besuch. Papiermäßig macht ein Heimspiel gegen den Tabellenletzten ja ordentlich was her, jedoch zeigten die bereits als Absteiger feststehenden Filderstädter in den vergangenen Spielen, dass sie sich mit Würde aus der Verbandsliga zurückziehen, und haben hier durchaus noch vermeintlichen Favoriten unangenehme Spieltage beschert.

Und dann war da noch die Erinnerung an den 26. Mai 2012, als über 500 Zuschauer im Normannia-Stadion dabei zusahen, wie der bereits als Absteiger in die Verbandsliga Württemberg feststehende SV Bonlanden die Normannia mit 2:1 aus der Oberliga kegelte. Das zu einem Abstieg noch 31 andere Spiele gehörten, lassen wir mal unter den Tisch fallen. Aber man war im Remstal davor gewarnt, den SV Bonlanden auf die viel zu leichte Schulter zu nehmen.

Aber während die Mannschaft von ihrem Coach und dem Kapitän auf die Bedeutung dieses vorletzten Heimspiels der Saison vorbereitet wurde, war es selbstredend auch die Pflicht eines Fans, alles mögliche für ein erfolgreiches Spiel beizutragen, um auch in der nächsten Spielzeit Verbandsliga zu erleben.
Nun herrschte auch hier ein Handicap vor. Mario, dessen gewaltiges Baß sonst über den Schwerzer dröhnt, musste leider ausfallen.

Was nun? Wenn die Zeiten im Kultverein hart werden, dann kommen die Freunde vom FC St. Pauli. Aus dem fernen Hamburg meldete sich Marco Köster an, um die Schwerzer-Elf lautstark zu unterstützen. Für gewöhnlich trifft man ihn ja am Millerntor an, doch der alte Wortverdreher nahm sich fest vor, einmal "Normannia im Schwerzer spielen zu sehen, yeah!" Angedacht ist ja ein Fanaustauschprojekt, und für die nächste Saison ist ein Gegenbesuch bei St. Paulis U23 angedacht.

Wer den Marco kennt, weiß, das er zu den positiv Bekloppten gehört. Um in den Schwerzer zu gelangen (und auch irgendwann einmal nach Hause), nahm er einen 24-Stunden Bahntripp in Kauf: Abfahrt Hamburg um 6 Uhr morgens, Rückkehr Hamburg 6 Uhr Sonntag morgens. Zwischendrin 90 Minuten Normannia mit hoffentlichen Happy-End.

Zur weiteren Unterstützung überredete ich meinen Neffen Markus ebenfalls zur Normannia, was insofern vorteilhaft war, da er bereits einen Normannia-Schal besitzt. Die griechische Unterstützung durch Stathis mußte leider ausfallen, aber gegen später kam noch ein guter Freund mit dessen Bekannten ins Stadion, so dass wenigstens eine kleine verwegene Schar den Männern in Rot die Unterstützung angedeihen ließ.

Der Tag stand unter einem guten Stern: die Verspätung der Bahn war fast unmerklich, kaum spürbar, ja so gut wie gar nicht vorhanden. Jedenfalls traf Marco recht pünktlich in Schwäbisch Gmünd ein, wo wir beide uns nach zwei langen Jahren endlich wiedersehen konnten.

Als Lokalpatriot lasse ich es mir natürlich nicht nehmen - zumal bis Anpfiff noch so viel Zeit ist - den Normannia-Ehrengast durch die älteste Stauferstadt zu führen. Natürlich sah er auch unser "Rotlichtviertel" in der Ledergasse. Bemerkenswerter jedoch war, dass wir drei bei unserem Spaziergang durch die Stadt so herrlich auffielen - schließlich prominerten wir in unseren Fanschals durch Gmünd, und bereits am Marktplatz wurden wir diesbezüglich angesprochen. Wahnsinn: die Gmünder nehmen Notiz vom FCN. Jetzt sollten sie nur noch ins Stadion pilgern...

Am Ziel: Marco im Schwerzer!
Dorthin kamen wir dann auch an, da Marco nach seiner Bahnodyssee einen Hungerast verspürte. Ich muß zugeben, so frühzeitig war ich an einem Spieltag noch nie im Schwerzer. Hockeyspieler, die ihrem Sport friedlich auf dem Kunstrasen nachgehen, kein Anzeichen von Leben auf dem Rasen, und selbst im Vereinsheim sind wir die ersten Gäste. Brennt da eigentlich schon Licht? Egal! Marco war am Ziel: das Normannia-Stadion!


Hasan Gökmenler und Edelfans.
Nicht lange, wir geniessen ein leckeres Lamm-Bräu, dann ist auch Gmünds, wenn nicht gar Württembergs Edelfan Bredi da, und die beiden sind sich sofort sympathisch. Bredi verspricht unserem weitgereisten Hanseaten auch einen waschechten HSV-Fan, und hält dann auch Wort. Niemand geringeres als der Coach vom TSB Gmünd II, Hasan Gökmenler, ist bekennder Fan der Mannschaft aus Hamburg, die noch nicht einmal einen Abstieg hinbekommt. Aber wenigstens kam es zu einer kleinen Verbrüderung HSV/St. Pauli.

Der Schwerzer fest in St. Pauli-Hand.
Ach ja: Fußball wurde ja auch gespielt. Und das begann gar nicht gut. Nach bereits 15 Minuten gingen die Gäste in Führung, und unangenehme Erinnerungen an 2012 machten sich breit. . Marco versuchte indessen, neue Fangesänge einzuführen, die sofort mein Wohlgefallen fanden. "We love Normannia, we do! We love Normannia, we do! We love Normannia, we do! Normannia we love you!" hat mich noch Tage später als Ohrwurm verfolgt. Auch "C'mon you boys in red" hat das Zeug zu einen Klassiker, während mein "Es gibt nur eine Normannia" von Marco kritisch beäugt wurde: "Ist das denn auch glaubhaft verifiziert? Ich möchte hier als Gast nicht an der Verbreitung von Lügen beteiligt sein".

Kurz vor Halbzeit fiel der ersehnte Ausgleich, Patrick Krätschmer war der Erlöser zu diesem Zeitpunkt, und Marco prophezeite weitere Treffer, was uns veranlasste, zum Seitenwechsel das Gegentor aufzusuchen. Die Entscheidung war insofern vernüftig, da bereits 1 Minute nach Wiederanpfiff Felix Bauer Normannia in Front brachte. So durfte das Spiel weitergehen, und es ging so weiter.

Die Stimmun gim Schwerzer kochte positiv über.

Hüben....
....wie drüben
Foto: Nico Schoch / Fangruppe "12. Mann"











Während im Duett mir Marco ich mir einen Freundesrausch zusammensang, spielte Normannia einen Spielesrausch auf dem Rasen. Zumindest war unser Sankt-Paulianer im Schwerzer angetan von den "Boys in Red".
Scouting für St. Pauli? Hoffentlich nicht!
Eines der Biere, die mir offeriert wurden, muss schlecht gewesen sein, zumindest ging der Rest des Spieles wie "Ferris Bueller's day off" an mir vorbei. Ich vermittelte noch ein Telefonat zwischen Bonlandens Ersatzmann und meinem Kumpel Mario (der mir deshalb immer noch böse ist, da er dachte, er spräche mit einem Normannia-Spieler). Ein weiteres Indiz über meine Unpässlichkeit mag sein, dass ich mich mit Stadtrat Elmar Hägele während des Spiels über die Vor- und Nachteile der unechten Teilortswahl unterhielt.
Nach einem weiteren  Normannia-Treffen wechselten wir in der Schlußphase zum dritten- und letztenmal unsere Position. Mit der Fangruppe feierten wir zusammen den nicht 2:1, auch nicht 3:1 oder 4:1-Sieg, nein, es wurde gar ein 5:1-Heimerfolg. Weitaus wichtiger: Klassenerhalt!

4:1 durch Patrick Krätschmer.
Maro feierte ausgiebig mit, gemäß dem Motto, "Komm' in den Schwerzer als Gast, und geh' wieder als Freund".
Bei Nico Schoch und Cornelius Röhrle vom "12. Mann" war er zumindest gut aufgehoben, und meine schwarz-rote Fahne war auch noch einmal zu sehen. Denn nach dem Spiel ging sie verlustig, und wurde erst am nächsten Tag beim Spiel unserer U23 von einem Zuschauer bei Nico Schoch hinterlegt. Boah, daran kann doch nur der Köster Schuld gewesen sein!





Lorbeer für den Sieger! Die Spieler haben Grund zur Freude.

Jubeltage sind schwer in Worte zu fassen. Die Mannschaft zeigte einmal mehr, was von alter Zeit her stets die Stärke der Normannia war: die so oft zitierte und durchgekaute "geschlossene Mannschaftsleistung".
Es war aber auch ein wehmütiger Moment, denn Capitano Beniamino Molinari wurde mit einem Dankeschön der Fangruppe als Stürmer verabschiedet. Auch wenn er als Trainer dem Team erhalten bleibt, so wird er dennoch auf dem Rasen fehlen, keine Frage.

Der Kapitän geht von Bord, kommt aber als Lotse wieder.

Für den Rest des Tages möchte ich mich bei allen unfreiwillig Beteiligten entschuldigen, angefangen beim Schiedsrichtergespann, die ich einfach nicht in Ruhe essen lassen konnte, bis zu allen Spielern und Funktionären der Normannia sowie anderen Gästen im Vereinsheim. Mein freudentaumlerischer Auftritt mag durch die Umstände des Klassenerhalts bestimmt gewesen sein, aber hoffentlich nie peinlicher als sonst.

Über Marco Köster und Normannia Gmünd kann man jedoch sagen, das war der Beginn einer wunderbaren Fanfreundschaft.

Marcos neues Torwartidol: Magnus Burkhardt
Auch Funktionäre werden Sankt-Paulianisiert:
Mario Capezzuto und Albert Klammer.


Vierbande mit Claus-Jörg Krischke
Auch der Ehrenpräsident des SV Hussenhofen
war zugegen: Manfred Horch.



Nach der Größe sortiert: FCN-Keeper
Konstantin Kühnle, Bredi und Marco.

Sven Weiner kommt auch nicht davon.

Ohne Fan geht es nicht.  Felice Mangieri
darf sich auch mal feiern lassen. 

Mannschaftsfoto mit neuem Fan und einem barhäuptigen Bredi.

Der Beginn einer wundervollen Freundschaft. 

Und ich? für mich endete der Abend, indem der Gast den Gastgeber ins Taxi setzte... Das nennt man dann wohl Siegesrausch. Aber jetzt laufen schon die Gedanken zum Normannia-Gegenbesuch auf St. Pauli. Nächste Saison. Auch wenn die U23 wegen den horrenden Pachtforderungen im Stadion Hoheluft dann in Norderstedt spielen muß. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte....

Spielbericht:
Normannia Gmünd: Der Klassenerhalt ist perfekt

Mittwoch, 21. Mai 2014

Über den Tellerrand - Karlsruher FV gegen Frankonia Karlsruhe

Jubel beim Deutschen Meister von 1910. 
Dinge, die ich bereue? Eine Spitzenposition hat der Umstand, dass ich es in meinem Leben versäumt habe, ein Heimspiel des Karlsruher FV im Stadion an der Telegraphenkaserne zu verfolgen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, das die Schwarz-Roten ihre Heimspiele dort austrugen, und ich erinnere mich noch an die Spielzeit 1994/95, wo ich zumindest Ergebnisse und Torschützen der Landesliga Baden - dort spielte der KFV damals - aus dem Sport-Kurier erfahren konnte. Im Zeitalter des Internets mag das seltsam klingen, aber damals war die Zeitschrift in dieser Hinsicht geradezu bombastisch.

Aber das ist alles Vergangenheit, selbst das Stadion an der Telegraphenkaserne wich modernen Gebäuden, und der KFV war sogar mal ganz weg von der Bildfläche.

Muß ich den Karlsruher FV eigentlich vorstellen? Ich hoffe doch nicht!
Gegründet 1891, war der KFV vor dem Ersten Weltkrieg im deutschen Fußball ungefähr das, was heute der FC Bayern München ist - einfach eine Macht. Bekannt wurde die "Telegrammaffäre", die dafür sorgte, dass der KFV das Vorschlußrundenspiel in der 1903 erstmals ausgetragenen deutschen Meisterschaft gegen den DFC Prag nicht antrat. Die Prage kamen somit kampflos ins Endspiel nach Altona, und wurden dort vom VfB Leipzig zerlegt. Mit dem Meistertitel klappte es erst 1910. Große Namen spielten beim KFV. Nationalspieler Julius Hirsch, der später von den Nazis ermordet wurde; Walther Bensemann, Mitbegründer des DFB; oder Bekir Refet, der erste türkische Fußballer in Deutschland, der von 1926 bis 1935 die Schuhe für den KFV schnürte und auch in die Auswahlmannschaften Süddeutschlands und Badens berufen wurde sowie das erste Länderspieltor der Türkei in einem wichtigen Turnier erzielte.



Der KFV gehörte immer dazu, auch wenn die Erfolge spärlicher wurden. Nach dem Krieg spielte man noch in der Oberliga Süd, dann verschwand man weitestgehend aus dem Blickfeld. Mittlerweile nahm die Fusion zwischen dem VfB Mühlburg und Phönix Karlsruhe die Aufmerksamkeit auf sich, denn der neugegründete Karlsruher SC fuhr die lange vermissten Erfolge ein.

Auf einen Besuch beim Altmeister von 1910 freute ich mich schon sehr lange, auch wenn die Heimspiele längst nicht mehr an der Telegraphenkaserne, sondern am Sportplatz der DJK Karlsruhe-Ost stattfinden. Für den Besuch wählte ich das Ligaduell mit ESG Frankonia Karlsruhe aus. Die Eisenbahner-Sportgemeinschaft Frankonia entstand in seiner heutigen Form zwar erst 1959 durch Fusion, aber sie vereint neben der 1927 gegründeten Reichsbahn-Sportgemeinschaft Karlsruhe den bereits 1895 ins Leben gerufene Karlsruher Fußballclub Frankonia, nach dem KFV und dem Karlsruher SC (durch seinen Vorgängerverein Phönix) drittältester noch bestehender Fußballverein in Karlsruhe. Die Duelle zwischen KFV und Frankonia fanden im Fußball der Altvorderen stets in den oberen Spielklassen vor vollem Hause statt. Mittlerweile ist es nur noch ein Geplänkel im unteren Mittelfeld der Kreisklasse C. Die Zeiten ändern sich halt, aber die Faszination bei mir bleibt. Und so freute ich mich schon sehr darauf, den schwäbischen Spätzlestellerrand einmal zu verlassen und in die badische Fußballhochburg aufzubrechen.

Nach einem regelrechten Anreise- und Umsteigemarathon - immer mit dem Kribbeln im Nacken, einen Anschlußzug zu verpassen - treffe ich dann auch in der ehemaligen großherzoglichen Residenzstadt ein. Auf dem Weg bummelt meine S-Bahn sogar an einer Kleingartenanlage vorbei, die auf den Sportplatz der Frankonia verweist. Karlsruhe ist schone eine geile Stadt, dass muß ich als Spätzlesschwoab neidlos anerkennen!

Im Schatten des Wildpark-Stadions.
Auf meinen halbstündigen Fußmarsch von der Haltestelle Durlacher Tor zum DJK-Platz passiere ich das Wildparkstadion, auch ein Erbe ruhmvollerer Fußballvergangenheit. Aber auch der Nebenplatz ist mir ein Foto wert, schließlich trat die Normannia dort schon im Ligaduell gegen die Amateure des Karlsruher SC in der Oberliga Baden-Württemberg an.



Ein Hauch von Engländerplatz.
Der Platz bzw. das Vereinsheim der DJK-Ost ist gut in diesem weitläufigen Waldgebiet zu finden. Ich muß zugeben, das ich mir vorher nie Gedanken über den Namen "Wildpark" gemacht habe. Jetzt ergibt er aber Sinn. Vor einigen Jahren, so erfuhr ich, muß der Platz der DJK sogar mal von einer Rotte Wildschweine ordentlich umgegraben worden sein. Vielleicht resultiert daher die komplette Umzäunung des Platzes? Als Kleinod kann man ihn nicht unbedingt bezeichnen, aber gemütlich. Von der Bierterasse des Vereinsheims sind die Besucher gerade beim essen, und schauen so beiläufig dem Spiel der beiden Reserven zu, die ebenfalls in der C-Klasse am Ligabetrieb teilnehmen, allerdings in einer anderen Staffel.

Aus der Distanz, irgendwo im Hardtwald versteckt, dringt Stadionmusik herüber. Dort ist der Platz der SpVgg Olympia-Hertha (cooler Name), und die Hausherren empfangen FV Grünwinkel. Olympia-Hertha (der Verein kommt ohne Stadtnamen aus) spielt eine Klasse höher als der KFV, und trifft in der Kreisklasse B u. a. auf Alemannia Eggenstein, die auch mal in der obersten Amateurliga beheimatet waren und auf sehr kuriose Weise DFB-Pokalgeschichte schrieben.

Zuschauer in der 11. Liga.
"Hallo Hansjürgen, schön Dich mal persönlich zu treffen", werde ich begrüßt. Christian ist einer der angenehmen Gründe, warum soziale Medien ihre guten Seiten haben. Mit Fußball hat er im Prinzip nichts am Hut, eher mit Rad- und Laufsport. Aber um sich mal ausserhalb der Anonymität des Internets zu unterhalten, hat er heute mal eine Ausnahme gemacht, und schaut auf eine Stippvisite vorbei. Auch wenn sein Besuch beim Deutschen Meister von 1910 nur kurz währt, so erhalte ich doch einige Informationen vom ihm über das Geschehen in Karlsruhe.

Ein großes Manko für den KFV ist sicherlich die fehlende Heimat. Kein eigener Platz, kein Vereinsheim, keine Einnahmen durch Bandenwerbung, noch nicht einmal ein älterer Herr, der zur Halbzeit das Eintrittsgeld einkassiert oder ein paar Euro Verdienst durch den Verkauf von Bier und Bratwurst. Der logistische Aufwand stünde wohl in keinem Verhältnis zum Zuschauerzuspruch, zumal lukullische Bedürfnisse ja im Vereinsheim der DJK befriedigt werden können. Respekt hingegen verdient der Internetauftritt des Elftligisten, und auch der Fanshop ist nicht von schlechten Eltern. Da bieten oftmals höherklassige Vereine Kreisklassen-Niveau, während der KFV da locker in den ersten zwei Ligen antreten könnte. Alleine die historischen Abbildungen: ein Traum!

KFV 2 - Frankonia 2
Der Platz in der Fremde wirkt sich auch störend auf den Spielverlauf aus. Wildschweinrotten bleiben zwar ausgesperrt, hohe Bälle fliegen jedoch mit Vorliebe über den Zaun und landen im Unterholz, tief im Wald oder gar auf dem benachbarten Tennisplatz, was in schöner Regelmäßigkeit zu Spielverzögerungen führt. Doch Spieler und Schiedsrichter ertragen diesen Umstand mit gewohnter Gleichmut. Die Erfahrung mit diesem Platz macht sich wohl bezahlt.
Schmunzeln muß ich hingegen bei den Trikots der Frankonia II: "Sport-Dino" steht dort nämlich als Werbung, und so alt wirken die Spieler i. d. R. gar nicht.

Das Spiel der Reserven endet mit einem gerechten 1:1. Nachdem Onur Dursun nach einer Stunde den Gastgeber in Führung schoß, glich bereits nach 5 Minuten Thorsten Ell für Frankonia aus. Nicht beklagen darf sich KFV-Kapitän Bedri Igne: seine nicht ernst gemeinte Frage, ob ich ihn auch gut fotografiert habe, kann ich reinen Gewissens bestätigen.

Das Spiel der beiden ersten Mannschaften wird zunächst mal nicht angepfiffen. Schiedsrichter Norbert Geggus vom FVgg Weingarten läßt beide Teams nach dem Auflaufen zu einer Gedenkminute antreten. Einige KFV-Spieler laufen auch mit Trauerflor auf. Später erfahre ich, dass den Opfern des schrecklichen Bergwerksunglück im türkischen Soma damit gedacht wird.

Gedenkminute vor dem Anpfiff.
Frankonia spielt in Rot-Weiß, der KFV in weißen Trikots und schwarzen Hosen, was bei einigen Kindern am Spielfeldrand sofort das WM-Fieber ansteigen läßt. "Wir sind für Deutschland!" sind sie sich alle einig, auch wenn sie immer wieder von den Spielern der Frankonia II geduldig darüber aufgeklärt werden, dass da eben nicht Jögi Löws Mannen spielen.

Es herrschen Freibadtemperaturen, und man möchte baden in Baden. Die wenigen Zuschauer müssen sich zumindest nicht um die schattigen Plätze streiten. Auch auf das Spiel wirken sich die sommerlichen Temperaturen aus. Packende Zweikämpfe sind selten, und ein einziger nennenswerter Vorfall in der 1. Halbzeit geschieht, als ein volles Glas Hefeweizen vom Ball getroffen und somit niemals mehr getrunken werden wird.

Aus der Nachbarschaft dringt plötzlich lauter Musik herüber. "Olympia hat 'n Tor geschossen" sagt eine Frau beiläufig, ehe sie mit ihrer Unterhaltung fortfährt. Auch das ist der KFV, 104 Jahre nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Spielszene 1. Halbzeit.
Wieder geht ein Ball auf die Reise über den Zaun.










Zum Pausenpfiff steht es 0:0, und ich wechsle die Perspektive. Von der anderen Seite des DJK-Platzes setze ich mich der Sonne aus. Hinter dem Zaun passieren Radfahrer, Jogger, Spaziergänger. Einige halten inne und schauen dem Spiel zu, ehe sie doch wieder weiterziehen.

Jens-Fabian Busch und Niklas Reith.
"Das war doch bislang ein Kick zum abgewöhnen", meint KFV-Trainer Thorsten Bailleu, als er zum Seitenwechsel  bei mir vorbeikommt. "C-Klasse im Fußball ist halt nicht C-Klasse bei Daimler" flachse ich zurück.

Die 2. Halbzeit wird munterer als der 1. Durchgang. Der KFV drängt auf das Frankonia-Tor, und in der 47. Minute ist es dann soweit.
Co-Trainer Kevin Konkoll schüttelt seinen Verfolger Jakub Nowicki, den Mann mit der auffälligen Frisur, ab und versenkt den Ball im rechten unteren Eck. Frankonia-Torhüter Uwe Hirsch streckt sich zwar, erreicht den Ball aber nicht. 1:0 für den Altmeister, und ich freue mich über diesen Treffer riesig. Werde ich womöglich über einen KFV-Sieg berichten können?
...Kevin Konkoll feiert den Führungstreffer
Jede Gegenwehr ist zu spät...










Treffer, versenkt, 1:1 durch Kadzimierz.
Adrian Kadzimierz von der ESG Frankonia hat was dagegen, und erzielt in der 59. Minute den Ausgleich für die Gäste. Fairerweise muß ich anerkennen, dass das 1:1 leistungsgerecht ist. Dennoch halte ich es ja bei meinen Besuchen immer mit den Gastgebern, und immerhin war ich knapp drei Stunden unterwegs, um den KFV zu erleben.




Der KFV versucht die erneute Führung, ein Sieg ist greif- und machbar. "Los, vor. Immer flache Schüsse. Der Torwart von denen bückt sich nicht. Der hats mit dem Rücken oder so" ruft man von der KFV-Hintermannschaft den Vorderleuten vor. An Chancen mangelt es nicht, nur der Erfolg bleibt aus.

Da drüben muß der Ball rein!
Aber es kommt noch schlimmer. Nein, nicht durch Bedri Igne, dem Kapitän der zweiten Mannschaft, der auf dem Foto hier als Betreuer fungiert. Der ist hier nur dokumentiert, um zu zeigen, das er wirklich gut getroffen wurde. Man könnte höchstens über den Inhalt des Koffers philosophieren. Laut Aussage eines Zuschauers würde da nur ein Schwamm und etwas Wasser drin, der Koffer somit nur ein Showobjekt sein.
Wie auch immer, das schlimme Ereignis tritt in der 88. Minute ein. Omar Martinez Vela lupft den Ball ziemlich ungefährlich über KFV-Keeper David Kidwell, der hüpft genauso ungefährlich in Richtung Ball... und irgendwie landet das aus meiner Perspektive eigentliche harmlose runde Ding plötzlich im KFV-Netz. Soeben überlegte ich noch einen Text á la "leistungsgerechtes Unentschieden im Tradtionsderby", und schon muß ich alles wieder umbauen.

Kurz danach erfolgt der Abpfiff, der Karlsruehr FV unterliegt Frankonia Karlsruhe mit 1:2. Die Mannschaft, die mangels eigenen Platz irgendwie immer auswärts spielt, verharrt mit 17 Punkten auf Platz 9 von 12.

Ich selber nehme für den Rückweg den längeren Weg durch den Schloßgarten zum Hauptbahnhof in Kauf. Die Rückfahrt verläuft schneller, aber immer noch mit ca. 2 Stunden recht lang. Um 20:30 Uhr bin ich schließlich wieder in Schwäbisch Gmünd.

Hat es sich gelohnt, den in die Niederungen der C-Klasse abgestürzten Verein zu besuchen? Ja! Jeder Fußballfreund sollte einmal im Leben zum KFV fahren, um den Fußballpionier und Altmeister seinen Dank abzustatten. In Karlsruhe freut man sich jedenfalls über jeden Zuschauer.


Samstag, 17. Mai 2014

Zurückgeblättert (3) - Als Stuhlfauth das Tor im Schwerzer hütete

Siegesfeier und Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Nürnberg


"'Viktoria' klang es aus allen Kehlen bei der Begrüßung der Sieger bei der Rückkehr aus Pforzheim. Es freut sich Stadt und Land über den Erfolg und ich beglückwünsche die wackere Elf, ihren Führer Herrn Pauser und den gesamten Verein zum Erfolg, der in das Diadem der Gamundia einen weiteren Edelstein eingesetzt hat". Gmünds Oberbürgermeister Karl Lüllig schlug hochlobende Töne an, als der 1. FC Normannia im Katholischen Vereinshaus, dem heutigen Hotel "Pelikan", seine Siegesfeier zu Ehren der Meistermannschaft abhielt. Das Vereinshaus bot sich mit seinem Festsaal für eine solche Veranstaltung geradezu an, da das eigentliche Vereinslokal, die Thorbäckerei, für die große Anzahl der Gäste wohl zu klein gewesen wäre. Selbst der Festsaal im Vereinshaus platzte aus allen Nähten, als der Ehrenvorsitzende Hans Aich mit reichlich Verspätung die ursprünglich für 20 Uhr angesetzte Ehrung eröffnen konnte.

Neben OB Lüllig zählten zu den illustren Gästen Walter Gschwind, Vorsitzender des Fußballbezirks Württemberg-Baden; Lothar Steiger, der Chefredakteur der amtlichen Sportpresse, der eigens vom Bodensee in die Gold- und Silberstadt kam; Stadtrat Paul Mahringer; die Vertreter der Rems-Zeitung und der Gmünder Zeitung; Hauptmann Hieber vom Gmünder Bataillon der Reichswehr; Regierungsrat Dr. Seyfritz vom Bezirksarbeitsamt; Polizeirat Geiger und der Vorstand der DJK mit Josef Wagenblast an der Spitze.

Im 28. Jahr seines Bestehens, so der Ehrenvorsitzende, habe die Normannia zum zweiten mal nach 1921 die oberste Fußballklasse erreicht. Sein Dank galt neben der Mannschaft und dem Spielausschuß auch der Presse, der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat. Zugleich betonte Aich auch die wirtschaftliche Bedeutung des Fußballs, und dass durch die Normannia die Stadt Gmünd als Sportmittelpunkt der Umgebung auftrete. Dann kam er auf die dringende Platzfrage zu sprechen, da der viel zu kleine Platz endlich eine dringende Erweiterung benötigte, und sich hierfür der Freiwillige Arbeitsdienst anbieten würde. "Es wäre erfreulich, wenn hier unter engster Zusammenarbeit von Stadt und Reich und unter weitmöglichster Unterstützung durch die Normannia dieser Plan, dessen letzte Punkte noch nicht erledigt sind, in Bälde beschlußfähig und ausführungsreif wäre".

Diesen Ausführungen folgte die Übergabe von Geschenken an die Aufstiegsmannschaft und Pauser. Für Josef Pauser, dem Leiter des Spielausschußes, war es nicht die letzte Ehrung des Tages. Aus den Händen des Bezirksvorsitzenden Gschwind erhielt zunächst die Mannschaft ihr Meisterdiplom, ehe Pauser und Hans Aich für ihre Arbeit die Ehrennadel des Süddeutschen Fußball- und Leíchtathletikverbandes erhielten. "Ich beglückwünsche von Herzen die Normannia zum errungenen Sieg", so Gschwind. "Es gilt nun, den Sieg wahr zu machen und es wird nicht leicht sein, sich in der nun errungenen Klasse zu halten. Der große Anklang des Fußballs und die große Begeisterung macht es in den kommenden Spielen den Gegnern schwer, sich insbesondere in Gmünd durchzusetzen", was als Hinweis auf das lautstarke und fußballgebeisterte Gmünder Publikum zu werten ist.

Dies soll aus der Rednerliste genügen. Den Abend beschloß das Musikprogramm der Kapelle Beck-Moretti und der Auftritt des Stuttgarter Humoristen Renz. Bereits am Nachmittag fanden am Normannia-Platz die vereinsinternen Leichtathletikmeisterschaften statt, die auch für die Fußballer die einzig nennenswerte Bewährungsprobe ermöglichten. Denn wie bereits in der vorherigen Folge erwähnt, herrschte jedes Jahr im Juli. der Hochsommerzeit, eine vom Verband verhängte Spielsperre, so dass den Vereinen nur der Trainingsplatz zur Vorbereitung diente.

Wenige Tage nach Beginn der Somemrferien, am 31. Juli 1932, stand das einzige Vorbereitungsspiel des Aufsteigers an. Für den Wahlsonntag (es fanden wieder einmal Reichstagswahlen statt) verpflichteten die Gmünder die Pokalmannschaft des 1. FC Nürnberg. Nürnberg, das war natürlich nicht nur irgendein Verein. Auch wenn der letzte Meistertitel bereits 5 Jahre zurück lag (1927 vor 50.000 Zuschauern in Berlin gegen Hertha BSC mit 2:0), so zählte der Club immer noch zu den Spitzenclubs des Landes. Außerdem waren die Nürnberger das Vorbild für die Gmünder Normannia, die nicht umsonst in schwarz-rotem Dress antritt. Nürnberg war bereits im vergangenen Jahr Gegner in einem Freundschaftsspiel, das von der Normannia völlig überraschend gewonnen wurde.

Die vom Redakteur Ernst Haug verfasste Vorschau spricht dann auch voller Vorfreude auf das Fußballereignis. "Der 1. FC Nürnberg stellt, wie schon im Vorjahr, so auch heuer wieder eine Lehrmannschaft hiezu zur Verfügung, deren Auftreten man mit Recht mit größter Spannung entgegensieht. Gerade der Klubnachwuchs ist es, der in Gmünd stets zu begeistern wußte und dessen systemvolle und vor allem höchstanständige Spielweise volle Anerkennung fand. Diesesmal hat man dazu noch die Freude, in Stuhlfauth Deutschlands größten Torwart begrüßen zu können,  der sich absolut nicht als "Alter Herr" fühlt, sondern auch heute noch als Stratege in der ihm eigenen, unerreichten Weise das Klubtor hüten kann. Seine Mitspieler standen fast durchweg schon längere Zeit in der berühmten Meisterelf und geben auch sonst zumindest den Uebungsgegner für dieselbe ab."

Heinrich Stuhlfauth! Es ist schwer zu beschreiben, welche Popularität Nürnbergs Nationaltorwart auf die Zeitgenossen ausströmte. In der Zeit, in der die Torpfosten noch eckig waren und die Torhüter keine Handschuhe, aber dafür Mützen trugen, verkörperte Heinrich "Heiner" Stuhlfauth den Fußballstar schlechthin.

Auch sonst entstiegen an jenem Sonntag den um 11:30 Uhr im Gmünder Hauptbahnhof eintreffenden Schnellzug aus Nürnberg bekannte Namen, die heute den Club-Annalen angehören. Mittelläufer Willi Billmann, der spätere Nationalspieler, gehörte zum Beispiel dazu, und als Ersatztormann nahm man Benno "Kracherle" Rosenmüller mit nach Gmünd.


Bei Normannia war die Aufstellung lange nicht klar. Auch wurde lange überlegt, ob statt Stammkeeper Stadelmaier die Ersatzleute Weber oder Brenner den Kasten am Sonntag hüten sollten. Wer am Ende als Torhüter in der Startelf stand, ist leider nicht überliefert. Brenner war es zumindest nicht. Überhaupt experimentierte der Gmünder FCN mit zahlreichen Ersatzleuten, was anschließend sehr kritisiert wurde.

Aber zunächst zum 31. Juli. In Los Angeles wurden die Olympischen Spiele eröffnet, und in Deutschland gingen nach dem gewalttätigsten Wahlkampf mit einer überraschend hohen Wahlbeteiligung von 84% die Bürger an die Urnen, um den 6. Reichtag der Weimarer Republik zu wählen, der die NSDAP als stärkste Partei sah.

In Gmünd, das kurz zuvor eine große Wahlkampfveranstaltung des ehemaligen Reichskanzlers Brüning erlebte, drückte die Sommerhitze gewaltig auf die Stadt. Dennoch fanden sich knapp 1.500 Zuschauer ein, um die heimische Normannia gegen die Zweite, die sogenannte Pokalmannschaft, des Club zu erleben. Damals lag der Schwerzer noch außerhalb der Stadt, und nach einem kleinen Spaziergang war bereits ab 20 Pfennig ein Eintritt möglich - sofern man Mitglied war und mit einem Stehplatz vorlieb nahm.

Der 1. FC Nürnberg spielte mit Heiner Stuhlfauth im Tor. Als Verteidiger fungierten Artur Diesterer und Schmidt. Die Läuferreihe bildeten Fleischmann, Willi Billmann und Summa. Im Sturm standen Helmbrecht, Jürgen Burk, Heinrich Hollfelder, vermutlich Gottfried Völkel und Emil Brennenstuhl. Wie gesagt nahm Nürnbergs Spielleiter Buchfelder noch Benno Rosenmüller sowie Georg Luber, Lederer und Fritz Kreißel mit nach Gmünd.

Bei Normannia Gmünd sind nur 8 Namen aus dem Aufgebot überliefert. Als Verteidiger fungierten Hegele und Schneck, in der Läuferreihe operierte Blattner. Im Sturm standen Schwegler, Hugger, Stütz, Stegmaier und Mezger. Die beiden anderen Läufer und der Torhüter konnte ich nicht herausfinden.

Schiedsrichter war Neurer aus Wasseralfingen, dem eine gute Spielleitung nachgesagt wurde.

Vielleicht lag es ja an der Sommerhitze, aber berauschend war das Spiel nicht. Schiedsrichter Neurer unterbrach die 1. Halbzeit für eine Gedenkminute an Eduard Kartini. Am Vortag wurde der langjährige Vorsitzende des Süddeutschen Fußballverbands unter großer Anteilnahme aus ganz Deutschland in Nürnberg beigesetzt.
Die erste Hälfte zeigte noch ein gefälliges Spiel, Mezger und Stütz konnten sogar Nürnbergs lebende Torwartlegende bezwingen, dennoch standen den 2 Normanniatoren 3 Treffern der Nürnberger gegenüber.
Nach dem Seitenwechsel machte der Club den Sack endgültig zu, und revanchierte sich für seine im Vorjahr erlittene Schlappe mit einem 6:2-Auswärtssieg bei Normannia. In der 2. Halbzeit lief bei den Gmündern einfach nichts mehr zusammen, zumal die Mannschaft in dieser Formation noch nie zusammenspielte.

Es hagelte harsche Kritik am Spiel der Normannia. Zu Erfolgsverwöhnt war man wohl von Seiten der Anhänger, die den fantastischen Sturmlauf in die oberste Spielklasse erlebten, als das man so kommentarlos auf die Niederlage im Freundschaftsspiel reagieren konnte. "Bei sachlicher Mannschaftskritik", hieß es einige Tage später in einem Brief an die Presse, "verdient Nürnberg das Prädikat gut und Normannia schlecht. Unbedingt! Dort ökonomisches Haushalten in allen Reihen, richtige Kräfteverteilung, hier zusammenhangloses, unproduktives Spiel. Bei Nürnberg einen in sich geschlossenen, einheitlichen Mannschafts-Körper - einen Spieler besonders zu erwähnen, hieße die andern tadeln. Ohne sich besonders auszugeben, war ihnen der Sieg in keiner Spiel-Phase zu nehmen. Kurz: Fußball in Reinkultur! Und Normannia? Ein Körper ohne Geist! Mir hätte Brenner im Tor besser gefallen, er hat mehr Rutine [sic!], obwohl der sonntägliche Hüter des Tores es gewiß an Energie und Fleiß nicht fehlen ließ und einige Tore bestimmt auf das Konto der Verteidigung zu sezten sind. Die Verteidigung war über ganze Spiel nie auf der Höhe. Hegele (sonst immer einwandfrei) mag durch eine erlittene Oberschenkelverletzung verhidnert gewesen sein, Schnecks Spiel war viel zu unreif in Angriff und Zuspiel. Einigermaßen genügen konnte das Spiel der Läuferreihe, wobei Blattner der erfolgreichere war. Und der Sturm, wo fehlte es da? Eigentlich überall! Mezger als Sturmführer enttäuschte gewaltig. Nein lb. Mezger, ohne Angriff kein Sieg, auch keine Torsiege! (Uebrigens für den ganzen Sturm geltend.) In Stellung laufen, sich freistellen ist notwendig für erfolgreiches Stürmerspiel. Hugger mag sich vielleicht noch nicht recht zurechtfinden in der Mannschaft, das mag entschuldigen; wir erwarten aber noch mehr von ihm. Der kleine Stütz war eigentlich bei den gegebenen Verhältnissen der eifrigste, er war nie "untätig". Von den beiden Flügeln Stegmaier, Schwegler sah man das gewohnte Spiel.
Ein Wort an die Vereinsleitung! Warum ist B. nicht mehr dabei? Wenn er sich schon unzulässig erhalten, warum ließ man ihn gewähren? Durch die Nichtberücksichtigung bei der Spielerehrung an der Siegesfeier meines Erachtens Strafe genug. Kann man sich den Luxus einer Ignorierung talentierter Spieler leisten? Mit der neuen Spielzeit muß mit vermehrtem Kräfteverbrauch gerechnet werden, und ein Ersatz für 1. Mannschaft muß auch erstklassig sein. Denn auch ich halte für richtig, daß Erfolg verpflichtet!"

Wer mag dieser ominöse B. gewesen sein, über den die schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit gewaschen wurde? Da er bereits in der Siegerehrung unberücksichtigt blieb, muß er zur Aufstiegself gehört haben. Brenner stand in der weiteren Auswahl, Blattner spielte, so könnte der Unglückliche wohl Stürmer Butz gewesen sein, es bleibt aber Spekulation. Auch die Art und Weise seines Vergehens verhallt in ergebnislos in der Geschichte.

Und Heinrich Stuhlfauth? Der war natürlich die Attraktion beim Fußballspiel. Der Mann mit der Mütze, der auch Niederlagen in Freundschaftsspielen nicht ausstehen konnte, war natürlich der Publikumsmagnet in Schwäbisch Gmünd. Bis an die Torlinie gedrängt standen seine meist jungen Fans, um ihren Star ganz aus der Nähe zu erleben. Auch hier sei, weil so köstlich, der Originalton der damaligen Zeit zitiert: "Der alte Kämpfe Stuhlfauth, der für die Nürnberger Torwart spielte, war für die Fußballjugend der Anziehungspunkt, de rwie der geschichtliche "Rattenfänger" einen ganzen Schweif von sportbegeisterten Fußballbuben nach sich zog. Als die Pause eintrat, stürmten die Jungen auf den Fußball-Altmeister zu und umringten ihn, wahrscheinlich um "Autogramme" zu erbetteln. Sie ließen ihn auch nicht los, bis zu seiner Erleichterung das Spiel wieder begann". Wie viele dieser Autogramme mögen heute noch in Gmünder Alben, Schubladen oder Dachböden auf ihre Entdeckung warten?

Weitere Gesellschaftsspiele des 31. Juli 1932:
1. FC Normannia Gmünd - 1. FC Nürnberg Pokalmannschaft 2:6 (2:3)
Stuttgarter Kickers - Teutonia München 3:0
Union Niederrad - Union Böckingen 2:2
Sportfreunde 02 Eßlingen - 1. SSV Ulm 3:5
SV Feuerbach - FV 98 Zuffenhausen 4:0
SpVgg Schramberg - 1. FC Birkenfeld 2:5
SpVgg Cannstatt - VfB Stuttgart 0:5
1. FC Nürnberg - Austria Wien 2:1
Union Herbrechtingen - VfR Heidenheim 1:5
VfR Gaisburg - Göppinger SV 6:1
Ulmer FV 1894 - Stuttgarter SC 5:2
Tennis Borussia - FC Bayern München 1:7 (0:5)
1. FC Pforzheim - Freiburger FC 6:4

Andere Folgen der Serie "Zurückgeblättert" (1932/33):
Teil 1: Der Fußball in Württemberg 1932/33
Teil 2: Rückblick auf die Meisterschaft und Vorschau auf 1932/33

Mittwoch, 14. Mai 2014

Neue Liebe rostet nicht - TV Derendingen gegen ASV Hagsfeld

Noch obenauf: der TV Derendingen im rotem Dress.
Wenn ich - abgesehen von den Normannia-Spielen natürlich - auf Sportplätzen auftauche, dann rufe ich bestenfalls Reaktionen à la "Sind Sie von der Zeitung?" oder "Guck Dir mal den Freak mit der Kamera und dem roten Rugby-Trikot an" hervor.  Hinterher ist man dann überrascht (ich hoffe mal freudig), wenn dann eine kleine Hommage an den Verein im Internet auftaucht, ob der Verein nun Sportfreunde Lorch, TSV Mutlangen oder FC 07 Albstadt heißt (ich freue mich ja schließlich auch, wenn ich zitiert werde, aber das ist eine andere Geschichte). Alle Vereine haben gemein, dass ich bisher dort nur einmal zu Besuch war, aber das sollte sich am Sonntag ändern.

Dem TV Derendingen wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, dass der "Spätzleskick" zum zweiten Mal am Sportplatz auftauchen würde. Und das sogar innerhalb kurzer Zeit. Denn in Tübingen schlug ich bereits Anfang April auf, um am "Super-Sonntag" des TVD vier Spiele zum Preis von einem halben zu verfolgen. Darunter waren auch gleich zwei Spitzenspiele. Zum einen traten in der Oberliga Baden-Württemberg die Frauen gegen den Verfolger SC Freiburg II (hier ein Video zum Spiel), zum anderen kämpften die Männer gegen den TB Kirchentellinsfurt in der Bezirksliga Alb, ebenso mit einem Auge zum Relegationsplatz Richtung Landesliga schielend.

Nun, die Geschehnisse vom April sind mittlerweile Geschichte, blieben aber nicht folgenlos. Was als kleine Liason begann, entwickelte sich zum heftigen Flirt und endete in einer Affäre mit Fernbeziehung, oder wie es Hansjörg Liesl im lesenswerten Sportblog "Schwitzkasten" formulierte: "Spätzleskicker verliebt in Derendingen". Wo der Mann recht hat, hat er nunmal recht. Und ich wußte auch, dass man sich in Derendingen ebenfalls freute, wenn ich mal wieder vorbeischaue.

Ursprünglich hatte ich einen Besuch beim Traditionsverein SG 07 Untertürkheim fest eingeplant, die am Sonntag Zuhause gegen die SpVgg Stuttgart-Ost antraten. Nun begab es sich aber, das am Sonntag mit der ASV Hagsfeld der direkte Verfolger der Oberliga-Spielerinnen des TVD an die Steinlach kamen. Zugleich machen die Karlsruherinnen als die Mannschaft mit der bisher stärksten Offensive von sich reden. Dennoch hatten die Schützlinge von Trainerin Theresa Merk 8 Punkte Vorsprung vor Hagsfeld und Freiburg II, das Team befindet sich also in akuter Aufstiegsgefahr. Und in Zeiten der Gefahr steht man seinem Team bei. Die SGU läuft mir ja nicht weg und wird einfach in der nächsten Saison mal besucht, dann als Aufsteiger der Bezirksliga.

Also wieder einmal mit der Regionalbahn von der Gmünder Landesgartenschau zur Tübinger Gartenstadt. Begleitet wurde ich dabei von meinem Sohn sowie den guten Wünschen aus der Stauferstadt. Denn auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis fragt man zunehmend nach dem TVD, den Stand der Dinge und wie sich die Mannschaften gerade schlagen.

Die Hinfahrt klappte reibungslos, aber statt diesmal auf die Hohenzollerische Landesbahn zurückzugreifen, wurden die knapp 2,5 km vom Tübinger Hauptbahnhof zum "kleinen Bökelberg" zu Fuß zurückgelegt.

Zum Zeitpunkt unseres Eintreffens war es windig, aber sonnig, und es versprach ein angenehmer Tag in der Sonne zu werden. Heute wurde auch auf dem Rasenplatz gespielt, der bei meinem letzten Besuch leider gesperrt war. Die zweite Mannschaft des TV Derendingen führt gerade kurz vor Halbzeit gegen die Zweite des SV Pfrondorf mit 1:0. Die sich tapfer wehrenden Kicker des 1903 gegründeten Clubs sind im deutschen Fußball wohl durch ihr Vereinswappen mit dem Eichhörnchen ziemlich einzigartig. Im Gegensatz zu meinem Fußballbezirk Kocher/Rems gibt es im Bezirk Alb noch eine Kreisliga C, und Pfrondorf II steckt mitten im Abstiegssumpf der Kreisliga B. Analog zum Wappentier des Eichhörnchens fehlt es den wackeren Pfrondorfern gerade am emsigen Punkte sammeln.
Heute auf Naturrasen. TVD II gegen Pfrondorf II.
Große Ehre wird mir zuteil, als mich der Pressewart der Fußballer begrüßt und sich sowohl für den Spätzleskick-Artikel als auch für den erneuten Besuch bedankt. Im Gegenzug darf ich ihm noch nachträglich zum Geburtstag gratulieren und hoffe auf entsprechende Punkte des TVD als würdiges Geburtstagsgeschenk. Natürlich hat der Pressewart auch einen Namen: Helmut Thurner. Aber ich habe den Verdacht, nur das Einwohnermeldeamt und irgendwelche Sitzungsprotokolle nennen ihn so. Landauf landab kennt man ihn im Bezirk nur als Tschumle, und diesen Ehrentitel möchte ich hier verwenden.

Selbstverständlich ließ er mir die Derendinger Gastfreundschaft zukommen, und lud mich zum Gerstensaft ins knuffige Vereinsheim ein. Zuvor allerdings posierten wir zusammen mit der TVD-Hoffotografin Susanne Dölker für das obligatorische Erinnerungsfoto, wobei ich im Nachgang bemerke, dass mir ein Friseurbesuch wieder angebracht sein könnte.



Tschumle ist natürlich mit Leib und Seele seinem TVD verhaftet, und auch sowas wie ein lebendes Vereinsarchiv. Dem "drohenden" Aufstieg der Frauen gilt natürlich meine erste Frage. Ob man denn keine Angst vor der Regionalliga habe, denn schließlich steigen die Kosten, während nicht zwangsläufiger mehr Zuschauer kommen, wenn es der TVD mit illustre Namen wie 1. FC Nürnberg, Wacker München, Sindelfingen II oder Eintracht Frankfurt zu tun bekommt. Natürlich habe man sich Gedanken gemacht, erfahre ich, letztendlich habe aber der TVD seine Hausaufgaben gemacht. Dem kann man wohl nur zustimmen. Juniorinnen, eine zweite Mannschaft. Anders als beim Verbandsliga-Aufstieg 1998, als es dem frisch gebackenen Meister der Landesliga Süd an einem ausreichend großen Spielerinnenkader mangelte, man aber dennoch selbstbewußt sprach: "Wir haben einfach gesagt, dass wir es probieren wollen". In Derendingen blieb man zwar immer mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen, behielt aber stets auch die sportlichen Perspektiven im Auge. Wenn sich Tschumle jetzt fragt, wie ich jetzt diesen Bogen auf 1998 gesponnen habe: im Internet findet man immer wieder ein paar Perlen der Vergangenheit, sogar über den TV Derendingen.

Noch ist nicht viel los am Bökelberg.
In einen Punkt habe ich Tschumle, und wohl auch einen guten Teil der TVDler, amüsiert. In meinem April-Besuch verwendete ich die Überschrift "Weit weg vom Bökelberg". Inspiriert wurde ich von einem Zuschauer mit Borussia-Baseballmütze und einer Mönchengladbach-Armbanduhr, der natürlich dennoch für den TVD zu den Spielen kommt. Mittlerweile wurde mein "kleiner Bökelberg des Südens" als Synonym für den TVD-Platz zum geflügelten Wort. Unbeabsichtigterweise hatte ich mit dem Bökelberg ein Wespennest angestochen. Denn nicht nur der Zuschauer - der übrigens wie mein Sohn Ralf heißt - sondern auch Tschumle und überhaupt die Derendinger sind Gladbach-Verrückte! Die besten Überschriften schreibt halt doch der Zufall. Vielleicht sollte man doch mal über dem Stadion-Kiosk ein Schild mit "Zum kleinen Bökelberg" anbringen?

Eberhard Braun (3. v. r.) und die
1. Mannschaft des TVD.
Mal ehrlich: 70 Jahre? Der lügt doch!
Völlig unerwartet werde ich auf den SVH Königsbronn angesprochen. Eberhard Braun, Trainer beim TVD, hat ein persönliches Interesse am Verein. Zu meiner Schande kann ich ihm nichts davon erzählen, dass der Verein mittlerweile eine Spielgemeinschft mit Oberkochen bildet und in der Kreisliga A antritt. Als Entschädigung nehme ich den Club im Brenztal auf meine Besuchsliste für den Spätzleskick auf, um dem "ewigen Fünfzigjährigen" einen höchstpersönlichen Bericht zu erstellen. "Ewiger Fünfzigjähriger" deshalb, weil der TVD-Coach tatsächlich der älteste aktive Trainer im Bezirk Alb ist. Nur: seine 70 Lenze sieht man dem taufrischen Trainer auch nach dem dritten genauen Blick nicht an, und lange nährten sich die Zweifel in mir, ob er sich nicht schon als Kind älter machte, um nicht jugendfreie Filme im Kino verfolgen oder länger in der Disco bleiben zu können. Am Ende erzählte er mir aber so authentisch von seiner aktiven Zeit beim VfL bzw. Sportbund Heidenheim und den Fußballschlachten mit Lokalrivale Normannia Gmünd, das seine Altersangabe über alle Zweifel erhaben ist.

TVD II gewinnt gegen Pfrondorf II mit 2:1. Das Gegentor nehme ich auf meine Kappe. Gerade gab ich vollmundig damit an, dass ich noch nie ein Gegentor gegen den TVD gesehen hätte, da meinte Benedikt Gerdes in der 89. Minute, "na, dem Manne kann geholfen werden", und versenkt den Ball zum Ehrentreffer für die Gäste.

Schichtwechsel.
Die beiden Teams und Schiedsrichter
Markus Schöck.











Kaum ist das Spiel der Herren-Reserve beendet, da betreten schon die Frauen hochkonzentriert unter Führung von Mannschaftskapitän Nina Weiß das Spielfeld. Die Ausgangslage ist recht simpel. Derendingen, seit dem 8. Spieltag an der Spitze, führt mit 49 Punkten vor den Gästen aus Hagsfeld und der Reserve des SC Freiburg mit jeweils 41 Punkten. Gewinnt der Tabellenführer und Freiburg nicht, dann knallen die Sektkorken und Trainerin Theresa Merk nimmt ein Bad in der Steinlach. So will es nun mal die Tradition.

Kurz nach Anpfiff hat Tina Wurster bereits die Chance auf eine frühe Führung, doch der scharf geschossene Freistoß geht haarscharf an Tor vorbei. In der 5. Minute dann tatsächlich der Führungstreffer. Dummerweise auf der falschen Seite. Der Schiri zeigt auf den Strafstoßpunkt, und Sarah Heilig verwandelt den Elfer für die Badenerinnen. Der vierköpfige ASV-Fanclub bejubelt verständlicherweise die frühe Führung.

Chance auf eine frühe Führung, doch der Kasten von
ASV-Keeperin Michelle Brill bleibt sauber. 
Das 0:1 durch Strafstoß.
Derendingen drängt zum Ausgleich.










Beide Mannschaften spielen sehr offensiv, und Derendingen versucht, den Ausgleich zu erzielen. Aber entweder hapert es beim Abschluß, oder die Hagsfelder Abwehr pariert den TVD-Angriff. Würden meine Haare nicht von alleine ausfallen, könnte ich sie gerade büschelweise ausreißen.
In der 33. Minute ist es Nina Weiß, die mein Haupthaar und die Stimmung am kleinen Bökelberg rettet, und das vollkommen verdiente 1:1 kaltblütig versenkt. Diesmal ist es an uns, lauthals zu jubeln.

Jaaaaaa! 1:1 durch Nina Weiß!
Doch das Echo des Jubels war noch nicht richtig verhallt, das geht Hagsfeld erneut in Führung. Mit diesem 1:2 geht es auch in die Pause, verbunden mit der Hoffnung, das die Wende in Runde 2 kommen möge.
In Schwäbisch Gmünd nimmt man mit Bestürzung den Halbzeitstand zur Kenntnis, nachdem ich per SMS meinen Fußballfreunden Bericht erstatte, und aufmunterende Nachrichten trudeln im Gegenzug auf meinem Handy ein.

Zwei Logenplätze.
Der Zuschauerzuspruch war heute nicht so stark wie beim Spitzenspiel gegen Freiburg. Das ist Schade, aber die Konkurrenz in Form des Muttertages und einer zeitgleich stattfindenden Konfirmation ist einfach zu übermächtig.

Dennoch springen mir zwei besondere Logenplätze ins Auge. Zum einen mein Sohn, der es sich hinter dem Tor gemütlich gemacht hat. Aber in erster Linie die Anwohner der Fuchsstraße, die direkt vom Balkon aufs Spielfeld blicken können. Das ist noch mehr Luxus als bei uns im Gmünder Normannia-Stadion.

Tschumle erzählt mir die Geschichte von einem TVD-Fan, der ganz im Stile des legendären Gladbach-Fans Manolo mit einer Trommel auf dem Dach saß, um sein Team lautstark zu unterstützen. Und ganz wie der echte Manolo stammte der Derendinger Ableger aus der Türkei. So falsch ist mein Bökelberg-Vergleich also doch nicht.

Derendingen nahm in der 2. Hälfte wieder Fahrt auf, um den Ausgleich zu erzielen, jedoch war Hagsfeld nicht klein zu kriegen.






Den Todesstoß versetzt in der 74. Minute Ramona Bohnert: sie umspielt die Abwehr und versenkt den Ball sicher im Netz. Mit dem 1:3 ist irgendwie die Luft beim TVD raus, das Happy-End bleibt aus, und in der 80. Minute ist es nochmals Bohnert, die den 1:4 Endstand erzielt.

Zum Ersten...
...zum Zweiten...


...und zum Dritten.
Tor durch Ramona Bohnert.

















Heute war es an den Gästen, zu jubeln und sich feiern zu lassen. Am Sieg des ASV Hagsfeld ist nichts auszusetzen, der war mehr als verdient. Die Mannschaft aus Karlsruhe hatte ihre letzte Chance, im Meisterschaftsrennen noch mitzuspielen, genutzt und einmal mehr gezeigt, dass sie die torgefährlichste Offensive der Liga besitzt.

Der ASV Hagsfeld und sein Fanclub jubeln zu recht.

Auch Freiburg gewann sein Spiel, aber Derendingen bleibt mit 5 Punkten Vorsprung die Nummer 1 in der Oberliga. In den verbleibenden drei Spielen kann es das Team aus eigener Kraft schaffen, den Aufstieg in die Regionalliga zu verwirklichen, sich nicht vom Druck der Höhenluft beirren lassen.

Schiri Shirin Groh.
Jetzt oblag es den Männern, für ein heutiges Erfolgserlebnis zu sorgen. Gegner war der TSV Gomaringen, und das Wetter erinnerte sich daran, dass am 11. Mai der erste Tag der Eisheiligen ist. Eine dunkle Wolkenfront zog schon in der Schlußphase des Frauensspiel vorbei und verdunkelte den Himmel über Derendingen. Jetzt aber begann es auch noch zu regnen, und es wurde schlagartig kalt und ungemütlich.
Schiedsrichterin Shirin Groh ließ sich ihre gute Laune durch das Wetter nicht verderben, und pfiff ohne Gnade das Spiel an.
"Auf Jungs, ich brauche heute noch ein Erfolgserlebnis, bevor ich Heim fahre", rufe ich dem Team in Rot zu. Sie quittieren mit einem selbstbewußten lächeln. Da kann ja nichts mehr schief gehen.

Neuerlicher Schichtwechsel. Theresa Merk und Philipp Braun.


Der Regen macht das Spiel zum Erlebnis der besonderen Art, und ich werde gezwungen, meine Kamera einzupacken. So verpasse ich in der 18. Minute den Führungstreffer des TVD durch Mohammed Arfaoui, und ich habe mein Erfolgserlebnis. Mohammed Arfaoui? Ja klar, wer denn sonst? Schon bei meinem ersten Besuch erzielte er das Tor für den TVD. Da ich schon wieder zu meinem Zug muß, kann ich eine neue Serie mitnehmen: ich sehe nur Arfaoui Tore für den TVD schießen, denn beim 2:0 durch Luigi Felici war ich schon am Tübinger Hauptbahnhof.

Tschumle im Einsatz.
Zuschauer aus Gomaringen.










Ich verabschiede mich von Susanne und Tschumle und verspreche, noch in diesem Jahr wiederzukommen. Aber das ist ja eigentlich nicht realistisch. Ich denke, sofern es der Spielplan hergibt, werde ich einmal pro Monat zu Besuch kommen. Damit die Liebe nicht rostet.

Die Rückfahrt mit der Bahn war sehr chaotisch und ich kam wesentlich später an als eingeplant. Bei meiner Ankunft habe ich dennoch gleich die Ergebnisse der Bezirksliga Alb studiert. Kirchentellinsfurt patzte, Derendingen gewann, und plötzlich sind es nur noch 4 Punkte zum Relegationsplatz. Sollte das noch klappen und die Tretmühlen der Relegation durchgestanden sein, wäre das ein echtes "Doppelwunder von Derendingen". Man sollte dem Bären natürlich noch nicht das Fell abziehen, aber es wäre auch aus Gmünder Sicht sehr erfreulich. Denn in der Landesliga würde der SV Nehren warten. Und der hat mit Gmünds Edelfan Bredi einen Sympathisanten auf der Ostalb. Zu einer Partie gegen Derendingen, so versprach er mir, würde er gerne zu einer Visite an den kleinen Bökelberg des Südens kommen. Das könnte doch nur noch durch ein WFV-Pokalspiel gegen Normannia Gmünd getoppt werden. Am besten im Frauenfußball. Denn dann könnte ich mal den TVD im Normannia-Stadion begrüßen.



Spielberichte:
TV Derendingen: TVD - TSV Gomaringen 2:0
Reutlinger General-Anzeiger: Merk: Haben ganz schwach gespielt
ASV Hagsfeld: Frauen - Auswärts eine Klasse für sich
SV Pfrondorf: TV Derendingen II - SV Pfrondorf II
Reutlinger Wochenblatt: Zu viele Fehlpässe