Montag, 29. August 2016

Zurückgeblättert: Heute vor 90 Jahren - 29. August 1926

Sommerhitze! Die Freibäder sind an jenem Sonntag vor 90 Jahren gut besucht. Auch das Staubecken auf dem Einsiedel bei Kirchentellinsfurt, dass sich nun zunehmend mit Wasser füllt und mittlerweile eine Wassertiefe von 2,20 Meter aufweist, weist einen großen Badebetrieb auf.

Für die Fußballer hingegen gab es keine Sommerfrische. Im Gegenteil. Die Bezirksliga Württemberg/Baden, die oberste Spielklasse, ging mit der Partie Sportfreunde Stuttgart gegen VfR Heilbronn ins Rennen. Der Neuling aus Degerloch, im Vorjahr noch Kreisliga und Aufstiegsrunde dominiert, muß die bittere Erfahrung machen, dass die 1. Liga eine andere Hausnummer ist. Der VfR Heilbronn fertigt die Grün-Weißen mit 1:3 ab.

Das diese Partie die einzige Erstligabegegnung blieb, lag mitunter daran, dass noch nicht alle Teilnehmer feststanden. In der Relegationsrunde zwischen beiden Tabellenletzten der Bezirksliga 1925/26, 1. FC Pforzheim und 1. FC Birkenfeld, und den beiden Teams aus der Aufstiegsrunde gescheiterten Kreisligisten FV Union Böckingen und Phönix Karlsruhe blieben auch nach dem 4. Spieltag die Kreisligisten vorneweg.

Böckingen erlitt dabei einen Rückschlag. Beim 1. FC Pforzheim setzte es eine 4:3-Niederlage. Pforzheim ging rasch mit 3:0 in Führung, leistete es sich aber, die Böckinger auf 3:3 herankommen zu lassen, ehe die Goldstädter doch noch den verdienten Sieg einfuhren. Die Pforzheimer nutzten damit ihre letzte Chance zum Klassenerhalt, während Böckingen seine Aufstiegsfeier noch auf Eis legen mußte.

Phönix Karlsruhe hingegen fegte den 1. FC Birkenfeld förmlich vom Platz. 9:2 hieß es nach 90 Minuten, und für die Elf von der Enz war es damit "weg vom Fenster". Hauptursache für das Debakel war die frühe Verletzung von Birkenfelds Torwart Staib, der nach 28 Minuten ausscheiden mußte. Einwechselspieler gab es damals nicht. Damit war Birkenfeld, von dem man sagte, der Verein sei zu schnell in die Bezirksliga durchmarschiert, endgültig gescheitert.

Großer Jubel dafür eine Spielklasse tiefer: Der SV 05 Reutlingen konnte nach einem mühsamen Sieg nach Verlängerung die Klasse halten. Reutlingen, als Tabellenletzter der Kreisliga Alt-Württemberg, mußte zum Entscheidungsspiel auf neutralem Platz in Esslingen gegen den 1. Göppinger SV antreten. Mit 2:1 nach Verlängerung konnten die Achalmstädter die Klasse halten, und unter den Klängen von "Es soll Begeisterung uns entflammen" ging es zurück nach Reutlingen. Schon damals hieß es in der Reutlinger Presse, "wir brauchen in Reutlingen Ligavereine, wir brauchen gute, sehenswerte Fußballspiele!"

Auch der SV Schwaben Ulm ist noch mitten in den Aufstiegsspielen zur Bezirksliga Bayern. Bei den Würzburger Kickers gibt es einen satten 4:2-Auswärtssieg.

Und so kommen wir schon wieder zu den Freundschaftsspielen.

Besonders fleißig waren die Stuttgarter Kickers, die Samstag und Sonntag Testspiele absolvierten.

Samstag, 28. August:
Stuttgarter SC - Stuttgarter Kickers 1:3
VfR Mannheim - VfB Stuttgart 6:3

Sonntag, 29. August:
SV 98 Feuerbach - Stuttgarter Kickers 0:0
Ulmer FV 94 - Eintracht Frankfurt 1:5
FV 98 Zuffenhausen - Germania Brötzingen 2:3
SpVgg 08 Schramberg - FC 08 Villingen 4:1
VfR Schwenningen - FC Singen 04 3:5
SpVgg Trossingen - FC Konstanz 2:5
Sportfreunde Tübingen - FV Pfullingen 1:3


Was außerdem geschah:
* Einzelhandel und Handwerk sind gegen die Einführung eines "Wochenendes" nach englischem Vorbild, sprich: der Samstagnachmittag soll ein gewöhnlicher Arbeitstag bleiben.
* Berlin gewinnt das Fußballstädtespiel gegen Istanbul mit 7:1.
* In Moskau kommt es zu einer öffentlichen Empörung, nachdem im Kreml eine Toilette gebaut werden soll.
* Die gebürtige Dänin und naturalisierte US-Amerikanerin Amelia Gade Corson durchschwimmt den Ärmelkanal.
* Der Messesonntag der Leipziger Messe erfreut sich eines großen Besuches. Vor allem die Schuh- und Ledermesse als auch die Textilmesse verzeichnen einen großen Besucherverkehr.
* Nach 10 Tagen hat die Flugzeugexpedition der Deutschen Lufthansa die chinesische Hauptstadt Peking erreicht. Der regelmäßige Linienverkehr soll zukünftig 15 Tage betragen.
* Über Oberschlesien geht ein schweres Unwetter nieder und richtet großen Sachschaden an.
* In einer Gastwirtschaft in Schramberg stürzt die 19-jährige Serviererin, wobei sie sich Schnittwunden am Arm zuzieht, an deren Folgen sie am Nachmittag im Krankenhaus an Blutvergiftung verstirbt.

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